Bishkek@Night

Ja, es gibt ein Leben nach 19.00 Uhr. Das wird hier in der Regel wie folgt verbracht: Wer viel trinkt, braucht eine gute Grundlage. Eine durchzechte Nacht beginnt daher immer mit einem guten (d.h. richtig fettigen) Essen. Das Café um die Ecke bietet Live-Musik (von kirgisischem Pop über russischen Techno bis zur Retro-Schnulze ist für jede Nase ein Rümpfen dabei) und eine Auswahl an verschiedenst zubereitetem Hammel-Fleisch in allen Variationen. Dazu einen schwarzen Tee und lokale Brotspezialität. Nach einigen vergeblichen Versuchen, mit derartig vollem Magen und ohne sonderlich viel Alkohol im Blut eine gute Figur zu kirgisischen Chart-Hits zu machen, verlangt man nach der Rechnung und zieht in den nächsten Supermarkt. Dankenswerter Weise befinden sich die harten Alkoholika, d.h. vornehmlich Flaschen mit glasklarer Flüssigkeit in allen Formen und mit Etiketten in allen Farben des Regenbogens gleich rechts vom Eingang, sodass man sie kaum verfehlen kann. Zwei drei Flaschen, ein Glas saure Gurken sowie ein bisschen Wurst und Käse schenken einem ein verständnisvolles Lächeln der Kassiererin an der Kasse. „Vielen Dank für Ihren Einkauf und kommen Sie bald wieder“. Pah, als würde die feine Schnaps-Auslese nicht mindestens drei Wochen reichen. Zu Hause angekommen wird zunächst einmal über die Gurken hergefallen. Beim Öffnen des russischen Premiumsekts schießt man ein Loch in die Decke und sorgt dafür, dass der Boden mindestens noch zwei Wochen klebt. Der Wodka wird geöffnet und auf die Gäste verteilt, die natürlich ihrerseits noch Schnaps und Gurken mitgebracht haben. Weil die Schnapsgläser nicht ausreichen, bekommen die Hausherrinnen halt gleich Tassen. Nach ein, zwei Gläsern bzw. Tassen (oder waren es mehr?) sind die Flaschen leer. Dann geht es mit dem Taxi in die nächste Disko. Erste Frage: Warum hat die Frau dahinten denn keine Hose an? Ach so, das soll ein Kleid sein… Verstehe. Zweite Frage: Wo ist die Musik und warum zappeln trotzdem lauter Menschen herum? Ach so, das ist russischer Techno. Nach vergeblichem Warten auf bessere Lieder und diversen Schaum-Attacken und Rauchschwaden die Fahrt in die nächste Disko. Diese empfängt einen fröhlich mit Modern Talking. Hurra. Es wird ein bisschen getanzt, getrunken und wieder getanzt. Irgendwie und irgendwann schafft man es nach Hause. Am nächsten Morgen (huch, schon kurz vor 12) erwacht man mit ein wenig Kopfweh. Ein guter Russe trinkt darauf einen Wodka. Leider war jedoch keiner mehr übrig. Man erschreckt sich kurz, als man sich erinnert, dass man etwas für die Uni tun müsste und geht auf diesen Schock wieder ins Bett. Zeit für einen Mittagsschlaf. Drei Stunden später ruft man seine Komplizen an und fragt nach der nächsten Festivität. Hunger hat man auch schon. Es ist schließlich schon kurz vor 19.00 Uhr und außerdem kommt im Café um die Ecke wieder Live-Musik…

(beruht auf wahren Tatsachen)

2 Antworten zu Bishkek@Night

  1. geil :) … und vermutlich noch bezahlbar
    Der Wunsch, mich zu betrinken, schwindet angesichts der durchaus europäischen Alkoholpreise doch von Tag zu Tag :)
    Dafür habe ich mich jetzt endlich für eine Wohnung entschieden

  2. Krass, ihr steht schon kurz vor 12 das erste Mal auf. Respekt!

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